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Demonstrationen für und gegen Waffen-SS-Denkmal in Marienfels

Marienfels ist ein Dorf irgendwo zwischen Koblenz und Wiesbaden. Es hat ungefähr 300 Einwohner und drei Straßen. 1939/40 hat die Waffen-SS "Leibstandarte Adolf Hitler" in Marienfels Halt gemacht, bevor sie am Angriff auf Frankreich teilnahm. Von dort mordete sie sich quer über die europäischen Kriegsschauplätze, u.a. als Teil der berüchtigten "Einsatzgruppen", die in den besetzen sowjetischen Gebieten den Massenmord an den Juden ausführten.

Auch nach der Kapitulation blieb man Marienfels freundschaftlich verbunden, weswegen die Gemeinde 1971 dem "Kameradschaftsverband der ehemaligen Waffen-SS" ein Stück Land auf dem Friedhof verpachtete. Den für Volk und Führer gestorbenen Kameraden der SS-Panzertruppe wurde ein Ehrenmal errichtet.

Inzwischen findet die Gemeinde das "Ehrenmal" und die dort stattfindenden Nazi-Meetings eher störend. Der Pachtvertrag ist 2001 abgelaufen und die Gemeinde will den "SS-Stein" (Rhein-Zeitung) demontieren. Die SS-Ehemaligen versuchen, eine Verlängerung des Vertrags vor Gericht zu erstreiten. Gegen die Demontage-Pläne der Gemeinde haben NPD und freie Kameradschaften für Samstag, den 21.11., eine Demonstration angemeldet. Außerdem versuchten sie, mit Flugblättern Druck auf den Bürgermeister und den Pfarrer auszuüben, weil die beiden den Abriss des "Ehrenmals" unterstützen.

Das sorgte für allerlei Unruhe im Dorf. Sämtliche Parteien des Gemeinderats bildeten eine "Allianz der Vernunft" und wollten "ein Zeichen setzen". Die anständigen Bürger versicherten sich äußerst demokratischer Gesinnung und Gewaltfreiheit. Eine Gegendemonstration, an der sich u.a. auch die Gewerkschaften und verschiedene Antifa-Gruppen beteiligten, wurde von dem Grünen Landtagsabgeordneten Josef Winkler angemeldet. Die Polizei kündigte an, sie würde die Zufahrtsstraßen sperren und Personen und Fahrzeuge penibel kontrollieren. Nazis und Gegendemonstranten würden komplett voneinander getrennt.

Genau so war es dann auch. Bei den Vorkontrollen wurden von allen Anreisenden die Namen aufgenommen. Autos und Personen wurden nach Waffen durchsucht. Es wurden teilweise Sonnenbrillen und Halstücher beschlagnahmt. Punks mussten allzu spitze Nieten von ihren Jacken entfernen lassen (siehe Foto). Selbst Äpfel wurden als potentielle Wurfgeschosse angesehen.

An der Gegendemo beteiligten sich 500-600 Leute, von denen viele aus dem Dorf und der Umgebung kamen. Die Nazis brachten etwa 100 Leute auf die Beine. Wie von Polizei und Organisatoren vorgesehen, wurden die Nazi-Demo und die Gegendemo strikt voneinander getrennt. Nur an einer Stelle hat man die Nazis mal aus einiger Entfernung sehen können. Unter den Demo-Rednern dominierte das bürgerliche Spektrum, den meisten Applaus bekam aber eindeutig der Redner der Antifa Nierstein.

Die Veranstalter werteten es als Erfolg, dass ein breites Bündnis gegen den Nazi-Aufmarsch geschmiedet werden konnte, das so viele Menschen auf die Beine brachte. Sie haben erreicht, dass die Demo-Route der Nazis stark eingeschränkt werden musste.


Diesem Punk werden bei einer Vorkontrollen gefährlichste Waffen von der Jacke abgetrennt.


"Nie wieder" - eine oft gelesen Parole...


... in Verbindung mit "Deutschland" ist sie beim bürgerlichen Publikum aber nicht ganz so gut angekommen.


Die Nazis sah man nur aus größerer Entfernung.


Muss ja mal gesagt werden!


Yo!